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Wohlfühlzone

Heute ist mir bewusst geworden, dass ich ausziehen sollte. Aus meiner Wohnung.Ich liebe meine Wohnung. Ich wohne hier noch nicht lange. Ein gutes Jahr ist es jetzt, und es ist eine schöne Wohnung. Ich habe genug Platz (naja, mehr ja bekanntlich immer, nur braucht man dann auch die Zeit, das alles rein zu halten), es funktioniert alles, ich fühle mich wohl, ich habe eine Terrasse, die Nicht zur Straße zeigt und so weiter. Ich könnte noch lange weiter erzählen, warum ich meine Wohnung so ultra toll finde.Oder ich bin ehrlich zu mir selbst und gestehe mir ein, dass meine Wohnung meine kleine Rückzugshöhle geworden ist.Während ich bei der Auswahl sehr darauf bedacht war, dass alles dafür geeignet ist Gäste zu empfangen, so hält sich der soziale Austausch in der Wohnung seit Einzug sehr in Grenzen.Die Wohnung ist aber auch der Ort, an den ich geflüchtet bin, nachdem sich plötzlich mein Leben verändert hat. Der Ort, an dem ich meine Wunden geleckt, und mühevoll die Krone mit Heißklebepistole bearbeitet habe. Der Ort, an dem ich mir am Häufigsten die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt habe. Immer mit dem selben Ergebnis: es wird schon einen Sinn haben, warum alles wundervoll ist, die zwitschernden Vögel auf meiner Terrasse, die wundervollen Menschen, die mir Tag für Tag begegnen...Und doch bleibt die Frage nach dem "Warum". Wofür stehe ich morgens auf? Wohin führt mich das? Macht mich das positiv oder negativ? Unterstützt es mich in meinem Sein, oder nimmt es mir Lebenszeit weg? Welche Bedeutung gebe ich Freunden und Familie? Ist es falsch, mir zurückzuziehen, wenn ich momentan einfach nicht in der Stimmung bin, die Schicksale anderer Menschen zu teilen? Es ist für mich aktuell anstrengend,mich auf andere Menschen zu konzentrieren. Ein Mensch erzählt von sich und automatisch hinterfrage ich, warum er das tut. Viele Menschen tun Dinge einfach so. Sie denken nicht darüber nach. Ob das gut oder schlecht ist, sinnvoll oder nicht. Welche Auswirkungen es hat/ haben könnte. Ich tue das immer. Bei allem was ich tue. Und aktuell habe ich keine Lust darauf. Also tue ich nichts. Ich existiere. Ich mache meine Arbeit, den Haushalt und halte Kontakt zu Familie und Freunden. Und hänge ansonsten meinen Gedanken nach.Ein Luxus, den ich mir vor der letzten Beziehung selten gegönnt habe. Denn es waren klare Lebensziele vorhanden. Dinge auf die man aktiv hingearbeitet hat. Da war keine Zeit für stundenlange innere Monologe im Grünen mit einer Tasse Cappuccino und selbst gebackenen Keksen.Sollte ich mich objektiv bewerten, würde ich sagen, dass ich von 5 Jahren definitiv gesünder war, fitter, ausgeglichener, positiver. Ich war viel unterwegs und habe gelernt, Arbeit und Freizeit im Gleichgewicht zu halten. Das Erfolg Anstrengung und Eigeninitiative bedeutet. Und ich durfte erfahren wie es ist, wenn plötzlich die rationale Welt außer Kraft gesetzt wird, wenn die Gefühle überhand nehmen und einfach selbst entscheiden ob richtig oder falsch, und zwar nach einer Entscheidungsgrundlage, die keiner Prüfung stand hält. Zumal sie mich ohne mit der Wimper zu zucken meinen Lebenstraum aufgeben ließ. Und es hat sich nicht mal ansatzweise schlecht angefühlt. Sondern ganz natürlich.Jetzt bin ich noch mehr unterwegs, aber ausschließlich beruflich. Ich lerne jeden Tag neue Menschen kennen, auf die ich den ganzen Tag konzentriert sein sollte, wenn ich meinen Job gut machen möchte. Eigene Wahrnehmungen und Gefühle treten da in den Hintergrund. Eine Rolle quasi. Eine Rolle von der ich vor 5 Jahren nicht mal im Traum gedacht hätte, dazu in der Lage zu sein. Ich bin von Natur aus eher der schüchterne Typ. Introvertiert, beobachtend. Und ziellos. Es ist mir nicht klar, ob ich nochmal eine derartige Beziehung möchte. Es ist mir aber auch nicht klar, welche Art der Beziehung ich möchte. Wie viel Bedeutung gebe ich meiner Arbeit? Ist es ok in der Freizeit zu arbeiten? In der Beziehung fand ich es nicht ok. Es sollte die Ausnahme bleiben, um ausreichend Zeit füreinander zu haben. Das Leben zu genießen. Doch genau das tue ich jetzt doch auch. Also ist es nicht ok in der Freizeit zu arbeiten? Macht mich das unglücklich? Ich mache aber doch meine Arbeit gerne. Und dann sitze ich hier und schreibe und die Antwort ergibt sich von ganz von alleine.
28.4.16 19:04
 


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